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Der Christbaum

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tannen_schneeDer Schnee knirscht unter den Sohlen als er langsam den Berg aufwärts geht, sein Hund tobt voraus und blickt sich immer wieder um, ob er auch nachkommt. Schon bald haben die beiden das Dorf, den Anstieg hinter sich gelassen und dichter Nadelwald verdeckt den Blick auf's Dorf. Steiler und steiler wird der Anstieg, schmaler der Pfad im tiefen Schnee und immer dichter der Wald.

Der Lärm der Strasse die durch das Tal, durch das Dorf führt wird immer leiser bis man gar nichts mehr hört. Bald ist nur noch der Atem und das knirschen der Schritte auf dem fast gefrorenen Schnee zu hören. Schwer biegen sich die Äste der Bäume unter der weißen Last und filtern jedes Geräusch das vielleicht noch aus dem Tal kommen könnte.

Immer weiter und weiter nach oben führt die beiden ihr Weg, Spuren von Tieren kreuzen den Pfad und hie und da sieht man die Spuren an den Rinden der Bäume, wenn Wild auf der Suche nach Futter die Stämme angeknabbert hat.

Erst nach einer ganzen Weile hält er inne und der Hund kehrt zurück und schaut ihn fragend an. Seine Hand streicht sanft über den Kopf seines treuen Begleiters und nach einer kurzen Pause setzen die beiden ihren Weg fort, der sie immer höher auf den Berg führt. Es ist fast dämmrig, nur schwer kämpft sich die fahle Wintersonne durch die Bäume und läßt den verschneiten schmalen Pfad in unwirklichem Licht erscheinen.

Plötzlich, als hätte jemand das Licht aufgedreht, wird es hell und sie treten auf eine Lichtung. Ein Reh, das sich an den zarten Ästen eines jungen Bäumchens versucht hat flüchtet und das Geräusch des fallenden Schnees hängt einen Augenblick in der Luft, dann ist es wieder still und nur sein Atem und das Keuchen seines Hundes ist noch zu hören.

Sein Blick schweift über die jungen Bäume und langsam stapfte er duch den Schnee auf die Lichtung. Da und dort greift seine Hand nach einem der Bäume und schüttelt den Schnee von den Ästen, suchend blicht er sich um. Dann, jetzt hat er sie gesehen, die Tanne, gut zwei Meter hoch, ihre gleichmäßig gewachsenen Äste biegen sich schwer unter der Last des Schnees nach unten. Zielsicher stapft er drauf zu, schüttelt die schwere Last von ihren Ästen und tritt dann ein paar Schritte zurück. Prüfend gleitet sein Blick von Ast zu Ast, es ist ein schöner Baum, gerade und gleichmäßig gewachsen reckt sie ihren WIpfel in den fahlen Winterhimmel.

Er streift den Rucksack von den Schultern und während sein Hund sich im Schnee wälzt findet er die Säge und kniet vor dem Baum nieder. Ein letzter Blick, dann hört man das Geräusch der Säge deren Zähne sich durch das Holz fressen, bis sich schließlich der Baum langsam zur Seite neigt und weich auf den Schnee fällt. Er fördert aus der Tiefe des Rucksacks eine Schnur zu Tage, mit schnellen und geübten Griffen bindet er die Äste zusammen, bis schließlich der Baum wie ein Paket vor ihm liegt. Noch einen Strick um den Stamm geschlungen, den Rucksack auf die Schultern gehoben und das andere Ende in eine Schlaufe gelegt, dann wendet sich sein Schritt dem Tal zu, den Baum hinter sich herziehend.

Der Hund hält das alles für ein Spiel und beisst in die Äste, mit kurzem Befehl scheucht er ihn weg und macht sich auf, den langen Abstieg mit der Last zu bewerkstelligen. Hinter sich im Schnee eine breite Spur hinterlassend, die von der Tanne in den Schnee gezeichnet wird. Nach einer guten Weile, trotz der Kälte steht im der Schweiß auf der Stirn, kann man schwach aber doch, die Geräusche der Strasse vernehmen. Dunkel ist es geworden, kaum noch der Pfad zu erkennen, den er mit sicherem, aber müdem Schritt Meter für Meter hinter sich lässt.

Dann öffnet sich der Wald, er tritt hinaus aus dem dunkel des Waldes und gerade noch erhascht er einen Blick auf die fahle, durch die Wolken kaum wahrnehmbare Wintersonne, deren schwach leuchtende Scheibe hinter den Gipfeln der umliegenden Berge versinkt.

Schlagartig ist es fast dunkel, die Lichter der Häuser im Dorf funkeln und klirrend kalt wird es. Noch ist das Dorf ein gutes Stück weg, und auch der Hund ist nun müde geworden und bleibt dicht bei ihm.

Er lenkt seine schweren Schritte, den Baum hinter sich herziehend zu einem Haus, etwas ausserhalb gelegen, auf einer sanften Anhöhe stolz über das Dorf blickend. Kein Licht dringt aus seinen Fenstern, nur der langsam aus dem Schornstein aufsteigende Rauch vermittelt dem Beobachter das hier jemand zu Hause ist. Bald Poltern dann die Schritte der schweren Bergschuhe auf den Holzdielen des Flurs, und er streift den nun dampfenden schwer gewordenen Lodenumhang ab. Ein paar Buchenscheite in das Ofenloch geschoben und gleich darauf kistert es im Kachelofen und es verbreitet sich wohlige Wärme in der mit Zirbelholz getäfelten Stube.

Nach einer kurzen Verschnaufpause schleift er den Baum in die gute Stube und mit gekonnten Hieben wird der Stamm angepasst, sodass er in das hölzerne Kreuz passt und aufgestellt werden kann. Auf dem Tisch steht schon der verstaubte alte und ein wenig verbeulte Karton aus dem er nun Kerzenhalter, Kugel und all die anderen glitzernden Dinge herausholt um sie behutsam und immer von einem prüfenden Blick begleitet der Tanne ins Geäst zu hängen.

Als die Glocken der Kirche schließlich zur Messe läuten steht die Tanne in ihrer ganzen weihnachtlichen Pracht in der Stube, die Kerzen spiegeln sich in den bunten Galskugeln und das Engelshaar bewegt sich leicht im Strom der warmen Luft. Der Hund hat sich hinter den Ofen verzogen und zusammengekugelt leigt er in seinem Körbchen, hin und wieder einen kleine Ton von sich gebend, wahscheinlich träumt er gerade davon durch den Wald zu laufen und vielleicht ein Eichhörnchen zu verfolgen.

Er lehnt sich zurück, zieht an seiner Pfeife, betrachtet den Baum in seinem ganzen Schmuck und freut sich über sein kleines Weihnachten.

(C)r.loibl

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